Bild Zeitung: In einer Spezialklinik in Linsengericht – Hier wird ein krebskrankes Pferd bestrahlt

Bild Zeitung, 11.04.2018

In einer Spezialklinik in Linsengericht. Hier wird ein krebskrankes Pferd bestrahlt

Rasputin ist nach der Behandlung noch etwas benommen. Erst als die Narkose nachlässt, kommt der Wallach wieder auf die Beine. Tierärztin Janine Brunner ist zufrieden: „Er hat´s gut überstanden. Ich bin überzeugt, wir konnten ihm helfen.“

Rasputin hat Krebs am Schlauch (Penis), wurde am „Onkologischen Zentrum für Veterinärmedizin“ in Linsengericht (Main-Kinzig-Kreis) behandelt – in Deutschlands einziger Strahlenklinik für Pferde.

Angesichts von 1,2 Mio. Pferden in Deutschland und einer steigenden Krebsrate hat Inhaber Tim Kowalewski eine Marktlücke entdeckt. Früher verkaufte er Bestrahlungsgeräte. Das krebskranke Pferd seiner Frau brachte ihn auf die Idee. Jetzt behandelt der 50-jährige Tiere fast aller Größen: „Vom zwei Kilo leichten Kaninchen bis zum 950 Kilo schweren Kaltblut-Pferd können wir alles punktgenau und schonend bestrahlen.“

Für Kleintiere kostet das 600-2000 Euro, für Pferde 1500-4000 Euro. Die Verfahren stammen aus der Humanmedizin, verwendet wird ein Linearbeschleuniger. Prof. Michael Röcken von der Pferdeklinik der Uni Gießen sieht das kritisch: „Nicht alle Tumor-Arten können bestrahlt werden.“ Um Erfolgsaussichten zu bewerten, fehle noch Datenmaterial. Vollnarkosen seien für Pferde auch risikoreich. In der Aufwachphase könnten sie sich die Gliedmaßen brechen.

Die Klinik in Linsengericht versichert, alles zur Reduzierung der Narkose-Risiken zu tun. Man habe mehr als 200 erfolgreiche Narkosen durchgeführt.